Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

der Sommer war anstrengend. Für unsere Rosen, wegen der Hitze, wie für das Nervenkostüm der Rosenliebhaber, wegen der Verzweiflung nichts dagegen unternehmen zu können.

Müssen wir eigentlich etwas unternehmen? 
Wenn die Rose richtig gepflanzt ist, ist sie eigentlich perfekt auf solche Wettersituationen vorbereitet. Richtig gepflanzt? Was meint der Hübscher damit? 

Der Boden muss tiefgründig sein. Sechzig bis siebzig Zentimeter freien Boden braucht eine Rose in die Tiefe. Dort im kühlen Boden ruht ihre Quelle der Stresstoleranz gegenüber der Sommerhitze. Wurde dies bei der Standortwahl nicht berücksichtigt, funktioniert es mit der besten Rosensorte nicht. Soll die Rose im Pflanzgefäß ihre Zukunft verbringen, muss diese auch groß genug dimensioniert sein. Auch wenn es nicht gerne gehört wird: Achtzig Zentimeter hoch und mindestens sechzig Zentimeter im Durchmesser sollte ein Rosentopf sein. Wir haben seit 15 Jahren eine Kletterrose in einem Gefäß von einem Meter Höhe und achtzig Zentimeter Durchmesser stehen. Diese fühlte sich auch dieses Jahr wohl, da sich die Erdmasse in diesem Topf nicht so schnell erwärmt.

Es wurde viel gewässert dieses Jahr. Aus vielen Gesprächen mit Rosenfreunden aber auch Besuchern des Rosengartens weiß ich, dass viel zu viel gewässert wurde! Bei uns in Zweibrücken hatte es zwischen Anfang Mai und der letzten Augustwoche keinen nennenswerten Regen gegeben. An den Rosentagen hatten wir Nachtemperaturen um zweiundzwanzig Grad Celsius und Tagestemperaturen von dreißig bis sechsunddreißig Grad. Angeregt durch Thomas Proll bekamen drei Quartiere des Rosengartens nach dem ersten Flor eine Wassergabe von zwanzig bis zweiundzwanzig Liter Wasser pro Quadratmeter. Ein sehr kräftiger Regen. Dies geschah etwa Mitte Juli. Wir wollten sehen, ob diese Rosen schneller mit dem Durchtrieb starten als die trockenstehenden Beete. Danach geschah im Rosengarten fast Garnichts. Die Blüten der späten Sorten öffneten sich in die Sonne und verbrannten schnell zu Pergament. Dann sanken die Temperaturen in der Zweiten Augusthälfte. Welche Rosen trieben als erstes durch? Die, die am Vormittag im Schatten standen! Die gegossenen Beete lagen gut eine Woche zurück und zeigten keine Vorteile gegenüber anderen trockenen Beeten in der Sonne. Die Bodenfeuchte hatte also bei uns keine Auswirkung auf den sommerlichen Durchtrieb. Ist es zu heiß, macht die Rose Pause. Diese Beobachtung wurde übrigens in allen Gesprächen bestätigt. Auch bei den Vielgießern waren die Rosen in der Hitze inaktiv geblieben. Eine hochsommerliche Wassergabe macht nur insoweit Sinn, wenn sie das Überleben der Pflanze sichern soll. Dazu reichen zwanzig bis dreißig Liter, am besten auf einmal verabreicht völlig aus. Warum auf einmal verabreicht? Dann zieht das Wasser tief ein und steht dem Tiefwurzler Rose länger zur Verfügung. Wieder profitiert die Rose von dieser Eigenschaft.

Klaus Körber und ich stellen gerade eine Liste besonders empfehlenswerter Rosen zusammen. Eine Grundlage sind die Rosen, die im Herbst noch vollkommen gesund sind, mit Blüten aufwarten können und im Handel verfügbar sind. Haben diese Rosen dann noch Hagebutten, sind sie fast perfekt. Bei uns im Rosengarten sind dies Anfang Oktober immer hin weit über siebzig Sorten. Wie gesagt, vollkommen gesund, ohne die geringsten Anzeichen einer Erkrankung. Das sind Rosen, mit denen lassen sich neue Rosenfreunde gewinnen und alte Rosenfreunde für einen Neukauf begeistern.

Unsere Rosen sind „Zukunftspflanzen“. Viele Stauden und Gehölze haben zusehends Probleme. Die gesunden Sorten unserer Rose kaum. Um nochmals für mehr Toleranz im garten zu werben, Rosen sind Futterquellen! Sie sind Futterquelle für geliebte und ungeliebte Gartenbewohner. Gern gesehen und im öffentlichen Focus sind Bienen und Hummeln. Doch auch die Blattlaus und die Raupe, die Blattwanze und die Rote Spinne (und das Reh) sind Teil der Nahrungskette. Lästlinge an den Rosen, aber Futterquelle für Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen und Vögel. Wir bekommen das eine nicht ohne das andere. Rosen in jeder Form steigern den Wert einer jeden Gartenanlage durch ihre Eigenschaft als Futterquelle und sei es nur die Blattlaus an der stark duftenden, extrem gefüllten Edelrose ohne Pollenträger, die von Bienen und Hummeln verschmäht wird! Diese Blattlaus nährt andere wichtige Nützlinge, deren Nützlichkeit weit über die Rose hinausgeht. Gesunde Rosensorten, in einem MIT der Natur bewirtschafteten Garten, tragen erheblich zur Biodiversität bei.
 

Winterabdeckung von Neupflanzungen als Schutz vor Kahlfrost
Unter Kompost und Reisighaube überstehen die Rosen den Winter gut

Der Winter, mit Eis und Schnee, kommt unter Umständen nicht dieses Jahr, haben wir doch immer später die ersten Nachtfröste, aber vorbereitet sollten wir doch sein. Gerade die Temperaturschwankungen in den Monaten Februar und März machen den Rosen zu schaffen. Oft zweistellige Plusgrade wechseln sich innerhalb weniger Tage mit Minusgraden ab. Neupflanzungen sollten deshalb angehäufelt werden. Drei bis fünf Liter Kompost direkt auf die frischen Triebe, ein wenig Reisig darüber, damit die Amseln das Werk nicht sofort zu Nichte machen, sind vollkommen ausreichend. Unsere Kletterrosen werden wir mit Schilfmatten vor Sonne und Wind verbergen. Die Hochstämme bekommen rund um den Stamm einen Mantel aus Vlies und in die Krone, rund um die Veredlungstellen eine Abdeckung aus gestecktem Tannenreisig. In Extremlagen für Rosen, Sauerland, Rhön, Schwarzwald, schwäbische Alb, können sie ruhig ihre Altbestände an Rosen anhäufeln und Strauchrosen einpacken. Dort kommt es immer noch zu solch starken Frösten, dass die Veredlungsstelle im Boden gefährdet ist, bzw. die Entwicklung der Strauchrose stark gehemmt werden kann.

Alles Gute für Sie und Ihre Rosen wünscht

Ihr
Heiko Hübscher

Rosengarten Zweibrücken

Bildrechte: Heiko Hübscher Rosengarten Zweibrücken