Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

glücklicherweise war 2021 kein extremes Dürrejahr, aber dennoch waren die Rosen herausgefordert, mit dem einzigartigen Witterungsverlauf klarzukommen. Aber schauen wir auch nach vorne und richten unseren Rosengarten für die kalte Jahreszeit her.

Nach drei trockenen und sehr warmen Jahren hatten wir mal wieder ein richtiges Sternrußtau-Jahr. In diesem Jahr hat sich daher deutlich die Spreu vom Weizen getrennt. Wer sieht jetzt, Mitte Oktober, noch toll aus?
Die Edelrose ‘Laudatio’, die Beetrosen ‘Orangerie’ und ‘Lovely Rokoko’ von Tantau sowie die Strauchrose ‘Billet Doux’ haben mich jedenfalls heute, wo ich diesen Beitrag verfasse, förmlich angesprungen. Alle vier stehen noch prächtig in Blüte, haben wunderschönes, gesundes Laub und sind eine ungetrübte Freude zu den Herbststauden. Astern, Kalimeris, Grönlandmargeriten und mächtige Sedum zaubern im Spiel mit Gräsern gemeinsam mit den letzten Rosen wunderschöne Gartenbilder.

Kompost in Maßen

Doch absehbar wird es damit vorbei sein. Treffen wir Wintervorbereitungen! Vorbereiten? Auf was für einen Winter? Rechnen Sie einfach mit allem: Schnee, Eis, warme Wochen mit darauffolgenden extrem tiefen Temperaturen und Stürme. Alles ist möglich. Neupflanzungen werden immer mit drei bis fünf Litern Kompost pro Pflanze angehäufelt und bei uns auch mit Nadelholzreisig, Fichte oder Tanne, abgedeckt. Wenn Ihr Boden mal wieder eine Kompostgabe braucht, empfiehlt sich dies auch im Altbestand. Im folgenden Frühjahr dient er, leicht eingearbeitet, als Bodenverbesserer. Ist der Boden schon relativ humos, ist Fichten- oder Tannenreisig eine Alternative, um die „Basis“ der Rose vor Wind und Sonne zu schützen.

Strauchrosen sichern

Strauchrosen können Sie außerdem zusammenbinden und mit einem dicken Pfahl fixieren. Da die meisten Strauchrosen veredelt sind, haben sie einen einzigen Ansatzpunkt für alle Starkäste. Leicht kann so eine Pflanze, wenn sie exponiert steht, anfangen, durch den Wind stark zu schaukeln. Sie dreht sich am Boden richtig frei und steht schließlich leicht schief. Oberflächennahe Wurzeln reißen dann schnell ab – ersparen Sie Ihren Rosen das.
Eine Schilfrohr- oder Weidenmatte auf der Wetterseite zu drapieren, erhöht den Schutz vor ungünstiger Wintersonne bei frostempfindlichen Sorten aller Rosenklassen. Sehr hoch überragende, spätsommerliche Triebe sollten auch bei den Strauchrosen leicht eingekürzt werden. Dadurch verhindern Sie einen Windbruch. Verwechseln Sie diesen Schnitt aber auf keinen Fall mit dem Frühjahrsschnitt.
Es geht nur darum, ein wenig die überhängenden Spitzen auf Durchschnittshöhe zu schneiden. 

Kletter- und Stammrosen bemänteln

Kletterrosen wollen in ungünstigen Lagen besonders versorgt werden. Auch für sie ist ein Mantel aus Schilfrohr oder Weide der ideale Schutz. Bei den Stammrosen werden wir, wie in den letzten Jahren, die Stämme in Vlies verpacken, das bietet einen Sonnenschutz, damit sich die Stammpartien nicht unterschiedlich bei Sonnenschein aufheizen und die Rinde dadurch reißt. In die Krone, rings um die Veredelungsstelle(n), stecken wir „blickdicht“ Tannenreisig. Die Zweige werden von unten nach oben gesteckt, damit sie nicht herausrutschen können.

Stauden einwintern?

Was machen wir mit dem Hofstaat der Rosen, unseren Stauden? Da die erste Rosenblüte meist überreich daherkommt und weitgehend alleine stehen kann, bevorzuge ich hochsommerliche und herbstliche Begleiter in unseren Beeten: Bergminze, Purpursonnenhut, Lavendel (sein graues Laub schmückt Rosen immer), Berg-, Feinstrahlung kleine Herbstastern sowie die Duftnessel. In Strauchrosen auch gerne eine Blauraute und hohe Herbstastern. Dazu kleine, gedrungene Gräser oder schlanke hohe, wie das Panicum ‘Heavy Metal’ oder Calamagrostis ‘Karl Foerster’. Alle diese unterschiedlichen Pflanzen haben eines gemeinsam: Sie können noch problemlos bis zum Winteranfang unberührt stehen bleiben. Hat es so richtig gefroren, schneiden wir die Stauden zurück, zerkleinern das Schnittgut und bringen es als natürliche Mulchschicht zurück ins Beet. So ist eine Grundversorgung der Stauden schon sichergestellt.

Ups, ich hatte auch Lavendel erwähnt, der wird natürlich nicht zu Mulch verwandelt, sondern im Frühjahr leicht zurückgeschnitten. Neue Stauden würde ich bevorzugt im Frühjahr pflanzen. Dann besteht keine Gefahr, dass sie im ersten Winter durch Vernässung oder strenge Fröste verloren gehen. Selbst beim frühblühenden Gemswurz ‘Little Leo’, eine tolle Staude, haben wir damit keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Alles Gute für Sie und Ihre Rosen wünscht

Ihr
Heiko Hübscher

Rosengarten Zweibrücken

Vier meiner gesund gebliebenen und lange blühenden „Heldenrosen“ 2021 (v.l.n.r.): ‘Billet Doux’ (Delbard, 2010), ‘Laudatio’ (Noack, 2016) 'Lovely Rokoko’ (Tantau, 2016) und ‘Orangerie’ (Kordes, 2016) Fotos: Andreas Barlage (3), Heiko Hübscher (1)