Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

ab August befindet sich die Rosenblüte auf dem zweiten Höhepunkt des Jahres. Sie wird uns hoffentlich, leise ausklingend, bis in den Oktober hinein begleiten. Unsere Aufgabe besteht nun weiterhin darin, die verblühten Triebe zu schneiden und der Rose den Übergang in den Herbst zu ermöglichen. Bei anhaltend mildem Wetter folgen auch noch Blüten bis in den November hinein.  

Für die Historischen Rosen im Rosengarten steht alsbald der Sommerschnitt an. Die sommerlichen Langtriebe, die sich nach der Blüte über die Rosensträucher erhoben haben, werden bis auf zehn Zentimeter unter das diesjährige Blätterdach zurückgeschnitten.

Dadurch erreichen wir, dass der Strauch kompakter und damit standfester wird. Im kommenden Jahr wird er sich so unter der Blütenlast nur malerisch auseinanderbiegen, anstatt auseinanderzufallen. Dadurch, und durch einen winterlichen Auslichtungsschnitt der ältesten Triebe, können wir auf einen – unnötigen – Totalrückschnitt verzichten

Rosa gallica Versicolor vor dem Sommerschnitt
Rosa gallica Versicolor nach dem Sommerschnitt

Viele Rosensorten bilden an den verbleibenden letzten Blütenständen auch einen wunderbaren Schmuck aus Hagebutten aus.

Wenn die Temperaturen ab Mitte Oktober langsam gesunken sind, stehen auch schon die Rosenneupflanzungen an. Die Rosen werden dann bis zum ersten Frost wurzelnackt verschickt. Bis zur Ankunft der neuen Errungenschaften sollten die Pflanzvorbereitungen bereits getroffen sein. Sie machen den großen Unterschied zwischen „pflanzen“ und „eingraben“. 

Hierbei gibt es zwei mögliche Szenarien zu beachten: Wenn ein neues Beet auf einer Fläche, auf der noch keine Rosen gestanden haben, angelegt werden soll, ist dies recht einfach gemacht. Zuerst muss die Fläche von Unkräutern befreit und tiefgründig gelockert werden. Tiefgründig bedeutet mindestens zwei Spaten tief. Danach steht ein Säuretest (pH-Test) an. Dieser sollte einen Wert zwischen sechs und sieben ergeben, damit die Rosen die benötigten Nährstoffe gut umsetzen können. Liegt der Wert zu niedrig, kann er durch Kalk-Beimischungen gehoben werden. Ist der Wert zu hoch, helfen Beimischungen von saurem Substrat oder sauren Hilfsstoffen, um ihn zu senken. Im Rosengarten bringen wir keinen Kompost mehr ein.

Wenn auf einer Fläche Rosen gesetzt werden sollen, auf der schon einmal eine Rose stand, so sieht die Vorbereitung ein wenig komplizierter aus. Die Erde muss an dieser Stelle komplett und mindestens siebzig Zentimeter tief ausgetauscht werden. Die Natur hat dies so eingerichtet. Als Austauschfläche eignet sich die Erde aus einer Rasenfläche oder dem Gemüsegarten. Besonders wichtig ist, dass die Rosen bei der Pflanzung keinen Dünger mehr bekommen. Sie sollen nach Nährstoffen im Boden suchen – sprich: Sie sollen Wurzeln bilden und nicht an der Bar „herumlungern“. Ein Bodenaktivator kann hilfreich sein, um das Bodenleben zu „ordnen“.

Wenn die Rosen dann endlich ihr neues Zuhause erreicht haben, werden sie am besten sofort ausgepackt und ihr Zustand kontrolliert. Danach kommen die Pflanzen für vierundzwanzig Stunden in ein Wasserbad. Mittel zur Förderung der Bewurzelung können hier ruhig zugesetzt werden. Containerrosen sollen sich immer vollsaugen, daher immer gut eintauchen. Bei wurzelnackter Ware werden die Wurzeln unmittelbar vor der Einpflanzung um ein Viertel zurückgeschnitten. Beschädigte Zweige werden dabei bis ins gesunde Holz zurück entfernt. In der Regel sind die Zweige schon vorgeschnitten. Dann kann die Rose so gepflanzt werden.

Die Veredelungsstelle, der Punkt, an dem die ersten Zweige entstanden sind, soll später fünf Zentimeter unter der Erdoberfläche sitzen. Ein Stab über das Pflanzloch gelegt hilft bei der Kontrolle. Entfernen Sie bei Containerrosen in jedem Fall noch anhaftendes Laub. So wird die Verdunstung eingeschränkt und die Pflanze entlastet. Containerrosen haben die Veredelungsstelle über dem Topfrand. Also Achtung, tief genug einpflanzen! Sollten Sie Ihre Rosen in Töpfen auf der Terrasse oder dem Balkon kultivieren, ist der Herbst die richtige Zeit zum Umtopfen. Ja, auch Rosen sollten etwa alle 4-5 Jahre umgetopft werden. So bleiben sie vital bzw. werden es wieder! Die Wurzeln werden hierfür von der Erde befreit. Dann werden alle mit „Drehwuchs“, das bedeutet, Wurzeln, die sich am Topfrand oder Boden im Kreis entwickelt haben, zurückgeschnitten. Die oberirdischen Teile der Rose werden dem Wurzelverlust angeglichen. Nun kann die Rose in frische Erde zurück in den Topf. Als Sonnen- und Windschutz für die Zweige und die Veredelungsstelle wird die Rose nun noch mit Kompost angehäufelt.

Alles Gute für Sie und Ihre Rosen wünscht

Ihr
Heiko Hübscher

Rosengarten Zweibrücken

Bildrechte: Heiko Hübscher Rosengarten Zweibrücken