Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

Es gibt Sätze, die behalten ihre Gültigkeit – und deshalb darf man sie öfter benutzen. Sogar ungefragt, wenn sie vom Autor selbst stammen:
„Im März, wenn im Garten die Vorfrühlingsblüte von Schneeball, Forsythie und Blutjohannisbeere das Auge und die Nase erfreuen, geht der Rosenfreund an seine Lieblinge und rückt ihnen mit der Schere zu Leibe.“ Wenn dies bei Ihnen zutrifft: ab in den Garten, Rosen schneiden. Solange dies nicht zutrifft: schön ruhig bleiben.

Welche Ziele verfolgt der Rosengärtner beim Schnitt?
Auslichten – verjüngen – Blütenbildung fördern!

Und wie setze ich die Schere an?
Schneiden Sie waagrecht ab! Das gibt eine kleinere Wunde und der Rosentrieb steht sowieso schräg. Über einer kräftigen Knospe abschneiden: einen halben Zentimeter oberhalb bei dünnen Trieben und einen ganzen Zentimeter bei kräftigeren Zweigen. Dann droht kein Eintrocknen der Knospe.

Wurzelnackte Neupflanzungen

Wurzelnackte Neupflanzungen, egal ob Beet-, Strauch- oder Kletterrose, werden bei uns bodeneben abgeschnitten. Es bleiben ja noch fünf Zentimeter des ersten Holzes, das die Rose aus der Veredelungsstelle gebildet hat, stehen: die fünf Zentimeter, die die Veredelungsstelle im Erdreich sitzt. Daraus entwickelt die Pflanze in den kommenden Jahren ihre gesamte Gestalt.

 

Mit Edelrosen beginnen

Die Rosen, die am stärksten geschnitten werden, schneidet man als erstes: die Edelrosen. Da bleiben drei bis fünf Triebe mit drei Knospen stehen. Der Rest kommt ab. Fehlt gesundes, kräftiges Jungholz aus dem Vorjahr? Erinnert die Rose an ein kapitales Hirschgeweih? Dann mal die Säge über dem Boden ansetzen und Platz schaffen für frische, bodennahe Triebe, die lang ins Gartenjahr hinein gesund sind. Ist eine Rose allzu prächtig gediehen und Ihnen zu groß und mächtig geworden, hilft auch ein harscher Rückschnitt nichts. Sie wird es wieder tun und wachsen Sie wollten einen Dackel und haben einen Dobermann erwischt! Entweder Rosensorte tauschen oder mit dem, was man hat, glücklich werden.

Zwerg- und Beetrosen

Was machen Sie mit Ihren einfach „nur“ schönen Rosen? Ganz einfach: Zwerg- und Beetrosen auf fünf bis sieben Knospen pro gesundem Trieb zurückschneiden.  Der Knospenabstand kann an einem Rosentrieb sehr unterschiedlich sein. Gerade im Herbst gebildetes Holz hat oft große Abstände zwischen den Knospen. Dann schaut ein Zweig eben mal fünf Zentimeter höher als andere aus dem Boden. Davon geht die Welt nicht unter. Das wächst sich raus, wie der ungeschickte Friseur sagt.
 

Strauchrosen

Strauchrosen behalten sehr viel altes Holz. Schneiden Sie diese zu früh, kann es zu einem ungewollten Knospenverlust durch Spätfrost kommen. Schneidet man zu spät, können schwellende Knospen beim Arbeiten herausbrechen. Also, Wetterprognose und Rose im Auge behalten und zur rechten Zeit loslegen. Nachdem eine Strauchrose eingewachsen ist, kann in der Regel alle zwei, drei Jahre ein Haupttrieb möglichst bodennah entfernt werden, um auch hier eine fortlaufende Verjüngung aus bodennahen Knospen anzuregen. Der Schnitt der verbleibenden Zweige verfolgt das Ziel, an einem verzweigten, stabilen Gerüst in sortentypischer Höhe der Rose möglichst viele kurze Blütentriebe in den Außenbereichen zu produzieren, die eine Chance auf Sonnenlicht haben. Die Sträucher der Alba-, Centifolia-, Gallica-, Damaszener- und Moos-Rosen werden bei Bedarf im Frühjahr nur vorsichtig ausgelichtet, da das deutlich dichtere Zweiggerüst auch eine tragende Aufgabe hat. Schwächelt solch eine Rose, kann ein bodennaher Rückschnitt einen Neuaufbau einleiten. Dies ist oft einfacher zu praktizieren, als einzelne aus dem Dickicht zu lösen.

Kletterrosen

Die vorausschauende Verjüngung ist bei den Kletterrosen noch wichtiger. Es ist immer schade, wenn nach Jahr zehnten der Scherenabstinenz solch eine Fassadenzier mit einem Mal zurückgeschnitten werden muss. Auch bei einer eingewachsenen Kletterrose, die ihre Fläche bedeckt hat, muss ab und an ein Haupttrieb entnommen werden, um einem vitalen jungen Nachkommen Platz zu machen. Spätestens für diesen Schnitt sollte die ganze Rose von der Kletterhilfe abgenommen werden. Die anschließende Neuformierung ist dadurch viel leichter zu bewerkstelligen. Was immer geschnitten wird: an den zukünftig blütentragenden Seitentrieben verbleiben ein bis drei Knospen. Im milden Rheinklima wird auch kürzer geschnitten, im spätfrostgefährdeten Zweibrücken bleibt mehr stehen. Manche dieser Seitentriebe können auch schon über einen Meter lang geworden sein. Wenn kein Platz mehr an der Rankhilfe ist, werden sie zu kurzen Blütentrieben.

Bodenpflege

Beim Schnitt wird in der Regel das Beet begangen und ist in der Folge aufzulockern. Sie müssen nicht umgraben, eine Lockerung von fünfzehn Zentimetern Tiefe ist in der Regel ausreichend. Mit einer Rosengabel geht diese Arbeit leicht von der Hand. Haben Sie auf das richtige Wetter für den Schnitt gewartet und der Boden konnte vorher abtrocknen, geht diese Arbeit schnell und einfach. Sind Sie auf dem zähen, „frostfeuchten“ Boden herumgetrampelt, ist es eine Quälerei.

Kompostgabe

Eine Kompostgabe alle drei Jahre, eine Schaufel voll pro Pflanze, ist sehr vorteilhaft für das Wachstum und die Gesundheit der Rosen. Der Kompost dient in diesem Fall nicht als Dünger. Er sichert ein intaktes Bodenleben und hilft, im Boden Nährstoffe aus der Düngergabe verfügbar zu halten. Weiterhin führt er, bei schweren, lehmigen Böden, zu einer lockeren, gut bearbeitbaren Oberfläche. Auf sandigen Böden ist die erhöhte Fähigkeit der Nährstoff- und Wasserspeicherung sehr von Vorteil. Bei der Bodenlockerung wird der Kompost nur leicht in die Oberfläche eingemischt. Sollte der Boden nach der Lockerung recht grobschollig sein, wird einfach mit einem Kultivator etwas nachgearbeitet. Nun können ein „Bodenaktivator“, Gesteinsmehle und ähnliche Bodenhilfsstoffe ausgebracht werden. Sie erhalten und fördern die Fruchtbarkeit Ihres Gartenbodens zusätzlich.

Düngung

Fehlt nur noch die Düngung: Im Rosengarten Zweibrücken setzen wir seit 16 Jahren auf aus organischen Bestandteilen basierenden Mehrnährstoffdünger. Darin sind die Hauptnährelemente Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kali (K) enthalten sowie die wichtigsten Spurenelemente. Organische Dünger bilden weniger ungewollte Nährstoffrückstände und fördern dadurch wichtige Stoffwechselprozesse im Boden. Wichtig ist auch das Mengenverhältnis: Der Stickstoffgehalt (N) sollte 7 bis 8%, der Phosphorgehalt (P) bei 3 bis 4% und der Kaliumgehalt (K) bei 4 bis 6% liegen. Sie können jeden Dünger verwenden, der diesen Verhältnissen annähernd entspricht. Die auszubringende Menge erfahren Sie auf dem Gebinde. Wenn Sie immer noch mineralische Dünger einsetzen, dann achten Sie bitte besonders auf die genaue Dosierung, um Überdüngung und Auswaschung zu vermeiden.

Alles Gute für Sie und Ihre Rosen wünscht

Ihr
Heiko Hübscher

Rosengarten Zweibrücken

Bildrechte: Heiko Hübscher Rosengarten Zweibrücken