Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Bild: Heiko Hübscher,
Rosengarten Zweibrücken

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

was war das für ein sonderbares Jahr. Nur zu gerne hätte ich 2020 etwa meine vielen geplanten Vorträge in den Freundeskreisen gehalten. Mir fehlt der Kontakt zu den blütensüchtigen Rosenfreunden. Ich hoffe einfach auf 2021, um wieder mit netten Menschen über diese tollen Pflanzen rosenbegeistert fachsimpeln und diskutieren zu können. Nun gilt es aber, erst einmal das Rosenjahr zu beenden. Wenn es weiterhin so regnet wie zu Beginn des Herbstes und der Winter so feucht wird wie der von 2019/2020, kommen die Rosen zumindest nicht wegen Wassermangels in Schwierigkeiten. Hoffen wir das Beste.

Wenn es weiterhin so regnet wie zu Beginn des Herbstes und der Winter so feucht wird wie der von 2019/2020, kommen die Rosen zumindest nicht wegen Wassermangels in Schwierigkeiten. Hoffen wir das Beste.

Wir entfernen in Zweibrücken das herbstlich gefallene Rosenlaub übrigens nicht aus den Beeten. Die Gefahr, die Triebe dabei zu knicken und damit die Pflanzen zu schädigen, wiegt stärker als jene, dass die paar Pilzbestandteile über das Laub jetzt noch in den Boden gelangen. Die Pilze sind sowieso da. Ein kräftiger Frühjahrsschnitt ist wichtiger und effektiver, um unsere Rosen gesund zu halten.

Unsere Kübelrosen verfrachten wir von ihrem besonnten Platz in den Dauerschatten – so bleiben die Pflanzen am besten in Ruhe. Alternativ geht auch ein kalter (!) Keller ohne Heizung als Winterquartier. Da gilt aber: Nur wenn die Pflanze keine Blätter hat, braucht sie auch kein Licht. Außerdem wird das Risiko, dass sich Schimmelpilze entwickeln, minimiert. Sporen davon befinden sich oft an den Blatt- und Blütenresten und könnten im schlecht durchlüfteten Winterlager auf das Holz übergehen. Spätestens vor der Kellertür sollten die Rosen entblättert sein.

Vorsicht beim Gießen: Indoor sollten Sie die blattlosen Pflanzen in den Kübeln fast trocken halten. Kürzen Sie bei sehr hoch aufschießenden Exemplaren, etwa von Edel- oder Strauchrosen, die „Peitschen“ auf die angemessene Strauchhöhe ein. So beugen Sie Windbruch vor. Ansonsten lassen Sie die Schere im Herbst besser links oder rechts liegen, denn es steht kein weiterer Rosenschnitt vor der frühen Kirschblüte im Jahr 2021 mehr auf dem Plan.

Im Rosengarten Zweibrücken häufeln wir schon lange nicht mehr die Rosen im Herbst an – und in meinem eigenen Garten läuft es genauso. Sollte es jedoch in Ihrer Region regelmäßig zu Frost kommen, der den Boden aufreißen lässt, dann sollten Sie diesen direkt um die Rose mit einer dünnen Kompostschicht bedecken, um zu verhindern, dass die Veredelungsstelle durch einen solchen Frostriss freigelegt werden kann. Im Frühjahr können Sie dann die dünne Schicht über das ganze Beet verteilen, damit die Veredelungsstelle das Niveau, das sie bei der Pflanzung im Boden bekommen hat, auch behält. In extrem frostigen Gegenden mit richtig viel Wind hilft am besten eine Bodenabdeckung mit Reisig, vorzugsweise von Nadelgehölzen. Das hält nicht nur Wind, sondern auch ungünstige Wintersonne ab.

Kletterrosen sollten Sie ebenfalls nur einpacken, wenn diese sehr exponiert stehen – oder in einer Gegend wachsen, die harte Winter erwarten lässt. Hochstämme steckten wir die vergangenen Jahre nur intensiv mit Tannenreisig aus und achteten darauf, dass die Veredelungsstelle dabei vollkommen abgedeckt war. Das war hier vollkommen ausreichend. Das Reisig schieben wir von unten in die Krone; so kann es nicht wieder herausfallen. Im Frühjahr lässt es sich recht leicht nach oben herausziehen. Die Krone bleibt im Herbst unangetastet; auch hier wird nichts geschnitten! Der Stamm erhält ein Vlies als kleinen Wintermantel. Wir hatten Frostspitzen bis -13 °C, und selbst bei dieser Witterung ist uns noch keine Stammrose ausgewintert.

Bei Kaskadenstämmen befestigen wir deren Triebschleppen noch an dem Stamm – wir wollen sie ja so lang wie möglich belassen. So kann kein Winterwind sie beschädigen und sie zeigen sich besonders attraktiv, wenn sie sich in der folgenden Saison wieder auf ganzer Länge mit Blüten bestücken.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und freuen wir uns alle gemeinsam auf das Jahr 2021. 

Ihr