Praktische Tipps von Rosenexperten Heiko Hübscher

Bild: Heiko Hübscher,
Rosengarten Zweibrücken

Liebe Rosenfreundinnen,
liebe Rosenfreunde,

es hat geschneit! Jetzt fühlt es wirklich nach Winter an.
Ich finde endlich Zeit zwischen Windelwechseln und Puppentee über das letzte Rosenjahr zu reflektieren und meine die Gedanken für Sie zu Papier zu bringen.

Überkopfberegnung geht - zeitweise

Viel hat sich die letzten fünf Jahre in der Gartenpflege geändert. Speziell der deutliche Wassermangel im Frühjahr und die sommerliche Hitze fordern von uns Gartenbesitzern ein Umdenken. Wir beregnen unsere Rosenbeete vor der ersten Blütenknospenbildung, um den fehlenden Regen ausgleichen. Dies hat keine negativen Auswirkungen in Bezug auf einen späteren Blattpilzbefall! Den Rest des Jahres, sobald die Blütezeit losgeht, heißt es: Wasser nur unter dem Laub ausbringen.

Unsere Gartenrosen vertragen aber auch ganz schön was an Hitze. Wird es ihnen zu heiß, einfach eine längere Siesta zwischen dem ersten und zweiten Blütenschub. Schaden nehmen sie sehr, sehr selten, wenn der Standort tiefgründig genug ist und die Rose ihre Wurzel schön tief in die Erde vordringen konnten. 

Umdenken bei der Begleitstaudenwahl

In einem Artikel über Staudenverwendung von 2015 las ich letztens, dass die amerikanischen Bergminzen bei uns viel besser zu kultivieren wären, als die europäischen, weil die Arten aus der Neuen Welt viel mehr Feuchtigkeit im Frühjahr vertragen. Welche eine Veränderung in nur fünf Jahren! Wir haben ja erlebt, wie trocken in den letzten Jahren die Frühjahrsmonate ausgefallen sind. Jetzt wachsen die aus südlicheren europäischen Gefilden stammenden Arten deutlich besser als die amerikanischen Vettern.

Eine Lanze für Lavendel gebrochen

So haben sich die Bedingungen für Rosenbegleitpflanzen auch insgesamt deutlich verändert. Ich war schon immer und bin auch weiterhin ein Verteidiger des Lavendel als Rosenbegleiter. Rosen und Lavendel lieben es warm, sonnig und vertragen den gleichen pH-Wert. Beide brauchen im Sommer nicht zwangsweise eine Bewässerung. Beide werden zur gleichen Zeit geschnitten, im Frühjahr, wie im Sommer. Nur die Nährstoffversorgung unterscheidet sich drastisch. Das ist aber kein Problem, wenn die Pflanzabstände gewahrt werden und nicht im Bogenwurf über alles hinweggedüngt wird. Für mich ist es selbstverständlich die Rosen gezielt mit ihrem Düngerbedarf zu versorgen und den graugrünen Lavendel nebenan hungern zu lassen. Welch bessere Partner könnte ich mir wünschen? Die Düngung ist genau genommen der pflegerische Aspekt der Rose und Staude scheidet. Konnte man bis vor wenigen Jahren noch Rosen mit Stauden kombinieren, die einen „frischen Boden“ brauchen, einen Boden der ganzjährig feucht bleibt, suchen wir heute die Sonnenanbeter für warme Böden.
Neben Lavendel bieten sich die erwähnten europäischen Bergminzen (etwa Calamintha nepeta), die kompakten Kissen-Astern (Aster dumosus), nicht wuchernde Gräser, die markante Veitchs-Garten-Kugeldistel (Echinops ritro  'Veitch’s Blue'), die etwas umstrittene Storchenschnabel-Züchtung Geranium 'Rozanne', kandelaberartig blühende Duftnesseln (Agastache), Scheinsonnenhut (Echinacea purpurea) und der liebliche Blausternbusch (Amsonia) an, um nur einige zu nennen. Wahre Gärtner suchen passende Pflanzen, nicht passende Bewässerungssysteme!

Die kommenden Jahre werden uns weiterhin fordern und unsere Gärten werden sich wandeln müssen. Die Rosen bleiben, sie gehört, bisher eindeutig, zu den „Klimawandelgewinnern“.

Als Rosenbegleiter vielleicht nicht ganz so gebräuchlich wie der rehabilitierte Lavendel, aber unbedingt empfehlenswert: Schein-Sonnenhut, den es auch in Cremtönen gibt (Echinacea purpurea 'Alba'), der bläuliche Blausterbusch (Amsonia orientalis), die überaus filigrane Bergminze (Calaminta nepeta  'Blue Cloud') oder die Blütenkolben der Duftnessel (Agastache rugosa 'Black Adder') 

Vorverlegter Schnittzeitpunkt

Wir schneiden früher! Ja, wir warten mit dem Rückschnitt öfterblühender Rosen nicht mehr auf die Forsythien oder Kirschen. „Warum nun das denn noch, Herr Hübscher?“ höre ich Sie fragen. Ganz einfach, der Vorfrühling ist zwei Wochen in Richtung Winter vorgerutscht. Im April, bisher ein sehr guter Schneidemonat, waren es die letzten beiden Jahre in Zweibrücken schon deutlich über 20°C! Zu warm für den Rosenschnitt! Werden die Rosen bei solchen Temperaturen geschnitten, bleiben sie wie im Schock stehen. Die Entwicklung verzögert sich deutlich und sie sind zur ersten Blüte „sehr kompakt“. Wir starten jetzt eben zwei Wochen früher, also wenn die legendären Forsythien gerade dicke Knospen bekommen oder die erste Japanische „April-Zier-Kirsche“ einen ersten Schimmer Farbe zeigt. Geschnitten wird selbstverständlich immer noch nicht im tiefen Winter und schon gar nicht im Herbst. Die Schnitttechniken selbst sind gleichgeblieben. Im Ermangelung von ausreichend Platz bitte ich für Details des Schereneinsatzes auf einen älteren Rosenbogen auszuweichen. 

Nach dem Schnitt kommt die Düngung, und wie immer lege ich Ihnen die organische Variante ans Herz. Aus der Natur, zurück in die Natur. So sollte es sein.

Filigrane Rambler nach oben binden

Die wachsende Zahl dünntriebiger, öfterblühender Ramblertypen, wie 'Moscalbo', 'Libertas', 'Perennial Domino' oder 'Rosengarten Zweibrücken' werden bei uns eher senkrecht an der Stütze aufgebunden. So kommen sie noch besser nach oben. Da sie von sich aus viele Triebe bilden die in allen Pflanzenetagen blühen, müssen wir das nicht durch ein waagerechtes Leiten der Triebe – wie etwa bei großblumigen Climbern – fördern. Die Rambler bilden hier in Zweibrücken vertikale, sehr blütenreiche Elementen, die stark beachtet werden. Für diese Rosengruppe ist das eine nicht unwesentliche Ergänzung unserer Pflegeempfehlungen.

Bleiben Sie gesund und erfreuen Sie sich an den Frühlingsblühern.

Ihr 
Heiko Hübscher
Rosengarten Zweibrücken

Bildrechte: Hübscher, Gaissmayer, Rosen Tantau, Barlage